Dass die Astrofotografie viel Zeit in Anspruch nimmt, war mir schon von einigen früheren Aufnahmen her bewusst. Doch hat es mich während des halben Jahres, in der ich diese Arbeit erstellt habe, überrascht, wie zeitaufwändig sie wirklich ist. Ob es nun die Anfahrt und der Aufbau auf den Kanaren oder nur das Ausjustieren hier in Detmold war, das Belichten selbst hat von der stundenlangen nächtlichen Beschäftigung am wenigsten Zeit in Anspruch genommen. Zum Beispiel habe ich für das letzte Foto während der Halbjahresarbeit insgesamt 1 ¼ Stunde gebraucht, dabei aber nur Bilder mit einer Belichtungszeit von insgesamt gut einer Minute zusammen bekommen.
Um das aufgebaute Teleskop auszurichten, mussten erst einmal das Sucherfernrohr und der Tubus parallel zueinander stehen. Dafür habe ich zu Hause meist eines der Lichter des am Horizont stehenden Fernseh- und Radioturms angepeilt. War dies geschehen , musste das Teleskop auf den Himmelsnordpol ausgerichtet werden, um den Motor zum Nachführen benutzen zu können. Der Polarstern steht etwa 1° von diesem entfernt und kann daher als Hilfe hinzugezogen werden. Durch die Erddrehung ändert sich die Position des Sternes um den Pol allerdings, so dass es auf Jahres- und Tageszeit ankommt, wo er steht. Ich habe mir für diesen Zweck eine hoffentlich einigermaßen korrekte Grafik angefertigt, mit deren Hilfe ich die Position bestimmen kann. Ist der Himmelsnordpol nun anvisiert, kann der Motor eingeschaltet werden, der das Teleskop dann dem Stern, auf welchen es ausgerichtet ist, nachführt. Fotografiere ich nur durch die Kamera, so montiere ich diese auf das Teleskop, um das Nachführen auch für diesen Zweck zu nutzen. Außerdem kann ich durch das Teleskop die Ausrichtung des ganzen Apparats immer wieder korrigieren und somit die leichten Abweichungen der Motornachführung ausgleichen.
Das zu fotografierende Objekt anzupeilen, ist eine der für mich nervenaufreibensten Vorgänge. Zuerst visiere ich die grobe Richtung durch das Sucherfernrohr an und nehme dann mit dem Blick durch das Teleskop die letzte Feineinstellung vor, was auch nicht weiter schwierig ist. Problematisch wird es dann, wenn die Kamera auf dem Teleskop angebracht ist. Das Bild durch sie ist deutlich unschärfer und bei hoher Vergrößerung gestaltet es sich noch schwieriger, das jeweilige Objekt ins Bild zu bekommen. Außerdem läuft es anfangs selbst bei Motornachführung zu meinem Ärger mal in die eine, mal in die andere Richtung aus dem Bild.
Wenn ich es dann geschafft habe, dass Objekt einigermaßen auf einen Fleck im Sichtfeld der Kamera zu bekommen, muss dann nur noch für die entsprechende Zeit der Auslöser gedrückt werden. Dazu verdecke ich die Teleskopöffnung aber vorher mit einem Gegenstand und bestimme die Belichtungszeit durch das Wegnehmen des Gegenstandes, wodurch ich versuche, Verwackelungen, die durch das Auslösen der Kamera hervorgerufen werden, zu umgehen.
Nun kann ich nur noch hoffen, dass der Motor einigermaßen zuverlässig nachführt und dass ich die Belichtungszeit richtig gewählt habe. Um erfolgreich zu sein, mache ich allerdings bei den Aufnahmen durch das Teleskop mehrere Bilder mit teilweise verschiedenen Belichtungszeiten und Objektiven. Beim Fotografieren des Saturns habe ich beispielsweise 11 Bilder gemacht, wovon dann gerade einmal eines gut genug war, damit ich es für meine Arbeit verwenden konnte.